
Ein Jahr später besuchte er uns in Albbruck mit seinem Freund und engstem Vertrauten, dem Psychologen Valter. In vielen Gesprächen stellte er uns seine Ideen und Projekte für die Hilfe zur Selbsthilfe zu einem menschenwürdigen Leben seiner Mitmenschen in Campo Grande vor und begeisterte uns für seine Arbeit.
Padre Oralino schloss sich schon während seiner Studienzeit der Bewegung der Befreiungstheologie von Leonardo Boff an. Die Befreiungstheologie entstand im überwiegend katholischen Südamerika und machte es zur zentralen Aufgabe von Priestern, arme Menschen aus ihrer Armut zu befreien und ihnen zu einem menschenwürdigen Leben zu verhelfen.
Die Bevölkerungszahl wurde im Jahr 2020 auf 906.092 Einwohner geschätzt, die auf der riesigen Gemarkungsfläche von 8100 qkm leben. Der Stadtkern bildet mit vier Universitäten, Museen, Parks und dem internationalen Flughafen das Bild einer modernen Großstadt. Dieser Stadtkern wird von einem breiten Ring aus Armenvierteln umschlossen. Entstanden sind diese Armenviertel um Campo Grande hauptsächlich durch Landflucht, da durch die Veränderung der Landwirtschaft in den neunzehnhundertsiebziger Jahren vom arbeitsintensiven Kaffeeanbau zur Viehzucht deutlich weniger Arbeitskräfte benötigt wurden.
Campo Grande als Verwaltungs- und Handelszentrum ohne nennenswerte Industrie bietet kaum Arbeitsplätze für wenig qualifizierte Arbeitssuchende.
Die Menschen wohnen in kleinen, meist armseligen Hütten. Oft versuchen die Männer mit Gelegenheitsjobs, vielfach weit weg, ihre Familien zu ernähren. Wer das Glück hat in anderen Regionen eine feste Arbeit zu finden, zieht wieder weg. Zehntausende, davon viele Kinder, leben in tiefer Armut und haben keine Zukunftsperspektive.




